Vgl. auch Dörr, Margarete “Wer die Zeit nicht miterlebt hat... Frauenerfahrungen im Zweiten Weltkrieg und in den Jahren danach. Das Verhältnis zum Nationalsozialismus und zum Krieg FfM NewYork Campus 1989 Bd. 1
S.340
„(…..) Wer weiß – vielleicht ganz einfach, weil ich im
Pubertätsalter laufend dicker wurde und mich außerdem mit meinem rigorosen
„völkischen“, „pietistischen“ und NS –Echtheits – und Reinheitsideal
(„Reinbleiben und Reifwerden –Walter Flex) weder zu kokett-sportlichen
„Bubenschwarm“ noch zum modischen „Affen“ eignete, andererseits aber auch nicht
ganz zur aktivistischen, pathetischen Jungmädelführerin – konnte ich leicht
meinen persönlichen Neigungen treu bleiben (…)
S. 346: Na was mir Spaß machte, war z.B. das Packen von Feldpostpäckchen,
für die ich ein Weihnachtsschmuckblatt zeichnete mit Tannenzweig, Sternen,
Kerze, Apfel und Gebäckkringel – so „echt deutsch“ – mit dem Gedicht: “Weihnacht…
über Deutschlands Weiten schwingt der Glocken heller Chor, Märchen aus
verwehten Zeiten und versunk’nen Seligkeiten steigen neu in uns empor …“
S. 346: 1942 war statt der üblichen Einsätze ein der heimatlichen Landwirtschaft und in kinderreichen Familien als Ferienkriegseinsatz auch Osteinsatz angeboten .Das war doch etwas Lohnendes! Hinaus aus dem engen Heimatrevier, etwas von der Welt sehen ( vor dem Krieg hatte ich mit eine Freundin von Leben und Arbeiten in Deutsch-Südwestafrika geträumt),Deutschland kennen lernen und sogar „den Osten“ – das Land der „Burg im Osten – Schicksal einer Ritterschaft“ -, das ich in raren Buchstunden heiß miterlebt hatte – das Land, das meine Tanten und Onkel einst auf „Ostland Fahrt „ mit Tornister und Laute durchstreift hatten – das Land unserer Lieder: „ in den Ostwind hebet die Fahnen“ u.a., das Land aus dem die Fotos in meinen ersten und einzigen Jahreskalender stammten, von jungen Umsiedlerinnen beim Reigentanz, BDM-Mädeln mit volksdeutschen Schulkindern. Und ich konnte dies nun sogar als notwendigen Einsatz „ für unser Volk und Reich“ und für die tapferen , aufbauwilligen volksdeutschen Umsiedler im „alten deutschen Ostland“, in der Provinz Posen, erleben .Das war doch eine glückliche Kombination von Gemeinnutz und Eigennutz – statt dieser nur eigennützigen Bildung zur schöngeistigen Persönlichkeit und all dieser vollmundigen Feier-Sprüche ohne wirkliche Taten. Meine Mutter ließ mich(als einzige aus unserer Stadt) losziehen – sie hätte dies mit siebzehn Jahren auch mit Freuden unternommen, wie es ihre zwei Brüder damals hatten tun dürfen. Hier nun Ausschnitt und Zusammenfassungen aus meinem Hausaufsatz „Tagebuch aus dem Ferieneinsatz“ (ein ganzes Heft füllen): (..) 13 Juli Endlich sind die langweiligen Lagertage vorbei… erster Siedlertag !Was schert uns Regen und aufgeweichter Weg! Im Gänsemarsch stapfen wir singend nach Ruschingen – Nun hoppeln von allen Seiten barfüßig Kinder , wippende Ränzlein auf dem Rücken, der Schule zu („ Die Häschenschule“ lässt grüßen, DG).. Endlich werde auch ich zu einer Haustüre hineingeschoben…(Drinnen wissen sie mit mir genauso wenig anzufangen wie ich mit ihnen) Ein paar Fragen in steifem Schriftdeutsch, bis die alte Frau lachend meint, ich könnte bestimmt nicht erraten, was „Krumbirn“ seien – und wir erstaunt feststellen, dass wir die gleiche Mundart sprechen –auf mein Drängen bekomme ich dann endlich eine „Arbeit“ .. Ich muß im Stillen lächeln, wenn ich daran denke, mit was für hochtrabenden Vorstellungen von dem harten unbekannten „Einsatz im Osten“ ich heute früh auszog und wie ich nun hier – eine Hohlsaumdecke stickend – mich in heimeligem Schwäbisch unterhalte. Dies waren Bessarabiendeutsche er der Ortsbauernführer (….)
(weiter mit wohl Reichsdeutschem Mann und zurückgeblieben Polen und Resten der polnischen Bewohner und Kommentaren dazuJ
( 26. Juli Schilderung eines Dorfnachmittags d.i. eine Veranstaltung im NS Propaganda-Sinne der dauernden Erlebnisse. Das Konzept welches auch in den Akten des Bundesarchivs beschrieben ist.)
(
Für den 6.August folgt die Beschreibung eines Galiziers
d.h.Wolhyniendeutschen und deren Reaktionen)