copyright © Delia Güssefeld 1999
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17.Tag Mittwoch 7. Juli

18.Tag Donnerstag 8. Juli

(Morgens sah ich die neue Präsidentin am Dom und sprach einen Radfahrer und seinen lettischen Kontaktmann an, woraus sich ein Ausflug nach Sigulda ergab. )

19. Tag Freitag 9. Juli

Riga nach Pavilosta

Der Ausflug nach Sigulda scheint von Uldis nur eine Pflichtveranstaltung gewesen zu sein, da er zwei der drei Burgen uns gar nicht erwähnte. Ich fahre mit der Bahn nach Libau. Die Bahnstationen zwischen Jelgava und Liepaja alle mit Pilastern und Mittelrisalit. Strecke führt durch hügeliges Land, Wald, Waldwiesen, Moor. Keine Störche oder Tiere. Stationen wohl abseits der Orte. Dominantes Pärchen ist im Abteil. Sie wirken wie eine Mischung zwischen Hänsel und Gretel und russisch-lettische Variante von Bonnie und Clyde- frisch verheiratet. Er mimt den intellektuellen Schlucker mit Philipps Radiorecorder und viel Gepäck.Vielleicht fahren sie ja zur Love Parade in Berlin.

20..Tag Samstag 10 Juli

21. Tag Sonntag 11. Juli

22. Tag Montag 12. Juli

Pavilosta nach Kuldiga/Goldingen

Bemerkenswertes der letzten Tage seit Freitag. Die Toilettensituation auf dem Fest. Das Fest. Der Tanz. Das Feuer. Das Feuerwerk. Die schwedischen Kapitäne .Der Gutenachtgruß auf deutsch von Vater Rudzaja. Er schenkte mir ein Glas mit Sand und Bernsteinen.// Sehr nettes Zusammensein von uns sechsen. Ostseeleben mit Hitze,blauem Himmel fernen Stimmen der Meeresakustik, bewachsenen Dünen 1 1/2 Liter Flaschen Bier, Grillen von Schaschlik. Vieles erzählt. Der Witz mit dem Polizisten und dem Indianer fiel mir noch ein Jefgenij war bei der Marine und ist schon 30 Jahr alt. Er erzählt, daß er zum Ural zu seinen Verwandten gefahren ist im letzten Jahr. Das ist 1.500 km von Riga und insgesamt sei er 6.000 km gefahren auf dieser Reise. Mit Mairita war ich am Sonntag abend auf dem Waldfriedhof in Pavilosta und habe das Grab ihrer Mutter gesehen. Heute am Montag begleitete sie mich nach AizputeSchotterpiste vor Goldingen Wir besahen die Holzburg mitsamt dem dazugehörigen Anwesen. Park wie Bomarzo am See und das Haus mit Gewächshäusern wild und voller Weintrauben Es gediehen noch Palmen und Agaven Dazwischen phantastsche Beton/ Keramikskulpturen von Tieren. Ein wunderbares Paar scheint hier zu hausen. Er führte uns und schenkte uns Tomaten Dann nahmen wir noch ein kühles Bad als Guß unter dem Wehr. Mairita hatte meinen Bikini an. Wir trafen auf dem Weg nach Hasenpoth ihren Bruder Guntars, der schon gehört hatte, daß wir vorbeikämen. Er arbeitet im Straßenbau und erzählte sehr locker und freudig wegen des Besuches - und antwortete auf alle meine Fragen Zum Beispiel, daß er ja Glück gehabt hätte, daß er in Afganistan nicht umgekommen sei. Das war 1980. Am Anfang der Tour bemerkte ich eine blutige Hornhautverletzung an meinem linken Auge als ich in meinen Rückspiegel sah. War aber nur sichtbar bei heruntergezogenem Lid. Ich war erschreckt.

von Mairita ein Abschied bis Donnerstag abend. Sie wird in Inz bei Bern in der Schweiz ein Stipendium für sechs Monate wahrnehmen in einer Waldorfschule.

Der Weg führte mich über Kazdanga mit Schloß, das ich wegen der Hitze ausführlich umkreiste und filmte.

23. Tag Dienstag 13. Juli

Kuldiga nach Sabile11 45 Uhr. Goldingen ist sympatisches Städtchen. Pluspunkt: Bäume Parks und kleines Kaffee mit Aussichtsterrasse für Blick auf Wasserfälle. Gepflegte angenehme Atmosphäre, russisches Zigaretten-Gebäckwaffel in 30 Zentimeter Version und frischen Kaffee exakt --deutsch. Rechts Wasserfall und links Blick auf Backsteinbrücke untermalt mit Radiomusik. Hasenpoth war ohne Einkehrmöglichkeit gewesen. Der Busbahnhof mit Restaurant sowjetischen Stils ausgestattet. Mairita kommentierte: so kleine Portionen hätte sie noch nie in ihrem Leben gesehen. Und dazu lud ich sie ungeschicktermaßen auch noch ein!

Mein Nachtquartier in Goldingen ergab sich aus einer Reihe kleiner Mißverständnisse. Das von mir angestrebte Hotel war nämlich geschlossen, aber ein Delikatessengeschäft war kombiniert. Die zugehörge Frau nahm letztlich nichts von mir, wohl (??????) Ein Art Hochzeitskaffeetafel war gedeckt erstaunlicherweise. Ich wüßte natürlich alles, wenn ich lettisch könnte, so bleiben viele Dinge Überraschungen und wunderlich. Lettische Kultur besteht auch aus formvollendeten Riualen der alten Zeit.

Meine vorherrschen Gefühlslagen sind:

1. Ertragen, geduldig Ertragen von Unbill zum Beispiel auf Straßen. Animiert durch Vorbild der Bevölkerung. Leiden relativieren zum Beispiel, daß Fußwege zurückzulegen nicht so schlimm ist. Zeit spielt hier nämlich gar keine Rolle.

2.Ergriffenheit von der gelebten Spiritualität russischer Orthodoxie z.B. heute. Ich sollte eine Kerze für 20 cent opfern, damit mir kein Fahraddunfall zustoße. Die Frauen waren so normal, nett, nicht zudringlich nicht falsch. Ergreift mich das Gefühl des Velustes dieses Gleichgewichtes. Holzduft Ofenfeuerduft und Blumenduft.

3 Das bewußt gelebte Bauernleben. Gestern und heute sah ich Frauen auf dem Feld in Bikinis.

4 Gegen den Sowjetkommunismus erfolgreich gewehrt, aber was wird, wenn EU-Landwirtschaft kommt? DIES ist meine Aufgabe. Front machen. Vorträge halten für extensive Landwirtschaft (Übrigens war das auch die Meinung des Zementexperten) Das - wie ich vorher exakt wuße - wird mein Leben enden. Wie Tolstoij - tut mir Leid....

5 Dies kann ich nur allein erleben.

6 Zu mehreren habe ich keinen Zugang zu diesen Gedanken. Aber ich sollte dies doch vermitteln??

7 Diverse tief empfindbare Bilder sehe ich hier. Nicht Bilder der Düsternis und Verzweiflung, obwohl Alk zu sehen ist 1 1/2 Liter Bierflaschen und morgendlicher Biergenuß ist normal. Verfallende Häuser.

In Riga will ich Intellektuelle suchen. Edwards ((gemeint ist Edgars...)

7 Bildensemble Kioskblick Stromschnellen mit halbnackten Jungens hinten noch eine Badestelle Schatten, Wind 25oC . Rauschen des Wassers, Fließen des flachen Wassers . Pammukkale in der Türkei kommt eventuell in meinen Sinn.

Ja und zu zweit - mit der Familie kann ich zum Gottesdienst gehen und baden - dort unten und Essen. Das geht nur zusammen.Alle Erinnerungskultur der Balten basiert auf dem sozialen familiären Zusammengehörigkeitsgefühl, das alle Bevölkerungsanteile hatten, es gab keinen Individualismus. Es gab keine Einsamkeit.

Das Museum in Goldingen ist auf der Höhe der Zeit. Danach Restaurantbesuch, die Orgel( nicht Auto) bauer helfen deutsch. Mich erfreuen die reichlichen Löwenmäulchen als Tischdeko. Toilette ist in remont. Bedienung wie immer weiblich und von Frau zu Frau sympatisch. Kein Abstand in der Kommunikation. Die Leute kennen einfach keine Hektik, keine Coolheit.

In Sabile

durch Renda gefahren, wo ich das Schloß auch mit Hilfe nicht fand. Mein Trinkflaschen waren unsauber.

Das Tal von Sabile, eigentlich von der Abava ist wirklich anmutig. Ich badete ruhig und sicher in den Abavas Rumbas. Mit einigen Ausflüglern.

In Sabile versuchte ich zuerst meine Wiedersehensfreude an den Mann zu bringen, dann dämmerte aber doch eine gewisse Erkenntnis. Der Hausherr scheint etwas eigen zu sein - die Frau abgearbeitet. Hier steigen Schickeria und dubiose Gäste ab in Gruppen. Das ist es wohl. Vira sprach deutsch. Zuerst hielt ich sie für die Gruppenleiterin von allen Kindern hier. Aber nur von siebenen war sie es tatsächlich, Trainingslager nannte sie ihre Unternehmung. Drei elfjährige Spuchtfinken wollte sie noch bettreif machen. Die krümmten sich vor meiner Nase zu unzähligen Kniebeugen ohne Begeisterung, eher wie unter undurchsichtigem Druck, ohne Lob, ohne Mitgefühl. Oleg zeigte Fotos von Hintertux in Tirol. Mit dem Auto über Prag waren sie gerade dagewesen. Sie nahmen mich im nagelneuen Ford mit ,"Schokolade" kaufen. Die erwies sich dann als Campari für 7,40Lat und O-saft. Sie scherzten plötzlich nicht mehr und verschwanden in ihrem Zimmer. Ende der Vorstellung.

Die sanitäre Situation und Ausstattung ist unverändert seit unserem Seminarbesuch vom Dezember 1997. In meinem Zimmer stand ein großer Kühlschrank mit entsprechenden Geräuschen. Die Toilettenspülung funtionierte nicht ordentlich. Bei 40 Gästen ein Unverschämtheit. Eine Dusche. In der anderen stand zusätzlich die Waschmaschine. Ich wusch meine Wäsche im Handwaschbecken, neben mir die Regisseurin einer TV Serie / über die 20/30ger Jahre in Lettland. Sie startete mit sich Großtun, als ich aber meine Camera erwähnte, ging sie zu kollegenmäßigem Stöhnen über, der 15 stündige Arbeitstag setze ihr so zu. Mit dem Frühstück dauerte es ewig, weil das Teewasser im Herd in einem offenen Kochtopf erhitzt wird. Spülbürste nicht vorhanden. Also konnte ich auch meine Flaschen nicht säubern.

Die Kirche ist so weiß wie in Goldingen, enthält ein großes Altarbild mit Bogen abgeschlossen. Maria Magdalena am Kreuz. Links und rechts Holzemporen, alle schlicht gehalten. Kronleuchter, Kanzel aber das Gestühl fehlt ganz. Feldsteinkirchhofmauer wie in Renda/Rönne Inschrift auf dem einzigen erhaltenen Grabstein.Carl Wilhelm Kupffer, Pastor zu Zabeln geb Octbr 1793 ordiniert Febr. 1818, gst.d.26sten Novbr 1866/Louise Kupffer geb. Riembach geb.d.26.Febr.1800 verm.10.Juli 1818 gestorben 30.Nov.1866 Sprüche aus dem Buch Philipp und Ruth Dein gott ist mein Gott wo du stirbst da sterbe auch ich, da wil ich auch begraben sein Rut CapIVers 17 dann noch etwas lettisches

weiterlesen?