copyright © Delia Güssefeld 1999
dguessefeld@dieheimatdelias.de

13. Tag Samstag 3. Juli

Mitau /Jelgava bis Riga mit der Bahn

Nach Riga fährt mich ein Zug mit echten dunklen Russen von Jelgava/Mitau. Riga : erster Eindruck: mittelmeerisch wegen abgeblätterten Farben, chaotische Verkehrsführung. Unagressive Autos. Vater mit Rad und Kind und Gitarrentasche gehört bestimmt zu soner ähnlichen Intelligenzschicht wie auch die DDR Leute sie hatten. Existiert hier eventuell noch mehr. Und gleich sieht man auch noch mehr. Eine Frau in Rot spielt Akkordeon. Sie ist bestimmt Studentin. Altstadt wirkt nicht aufgemotzt. Hier waren nie die Habsburger wie in Prag und Krakau. Der Konventshof ist ein Witz, brav und bieder.

(Spätere Notiz)Jelgava nach Riga mit dem Zug, Zigeuner waren die Attraktion für mich

Pastor Aderkas Vortrag

1.Foto Elternhaus

Landleben unreflektiert zu viele Fotos?

was hat er gearbeitet?

Aderkas zitiert Gertrud vonden Brincken Gedicht, das auf die Tränendrüse drückt. Inhalt: Treueverhältnis28.9.39 Molotov Ribbentropp

Kraft durch Freude Flotte und Ostasienschiffe in Riga und Reval bereitgestellt

Ausbürgerung war der Terminus seinerzeit.

Aderkas ist Mitte November in Kirbis aufgebrochen, er schildert so scheint es mir, nicht seine Gefühle , aber dann doch noch: sein Vater hatte eine Lungenentzündung und lag in Riga im Krankenhaus. Aderkas mußte das Gut liquidieren. Ein tragende Herdbuch Kuh für 70 lat verkaufen. Er muß dies nun seinem Vater sagen und dann ging er auf den Krankenhausflur und hat so geweint, das schildert er.

Zuerst wurden die alten Menschen ausgebürgert

NielsenStokkeby als Student ist auf einem Foto zu sehen

Foto alte Omis

Er betont die gute Organisation der jungen Generation; Kranke fuhren auf einem extra Lazarettschiff

Es enstand ein starkes Gemeinschaftserlebnis durch das Helfen, das betont er , eine Gemeinschaft, die vorher gar nicht so empfunden wurde.

Viele Fotos von befreundeten Familien z.B. Hasselblatt Familie mit 7 Kindern

bestes Foto ist Frau mit Akkordeon

Abschiedsschmerz Es wurde gesungen "Gott schütze Latvia"Ein Bruch passierte dann. Der Blick richtete sich auf einmal nach vorn 1 Foto Kapitän mit Frau

In Pommern treffen auch die Wolhyniendeutschen ein

Foto Umsiedlungs TreuhandAktiengesellschaft in Riga

Foto Zwischenlager Die alten Damen "wir haben die ersten Läuschen entdeckt!"

Weihnachtsfeier

Rubrizierungsvorgang in Papierhemdchen

Die Schulterbreite wurde im Verhälnis zur Brustbreite gemessen, dann durfte man eventuell zur SS.

Er erwähnt die halbgegessenen Mahlzeiten und Wintermäntel noch an den Haken hängend, die in Polen vorgefunden wurden.

Im Schwetzer Krankenhaus wurden alle Patienten ermordet, dann alle Altenheimbewohner.

Aderkas erinnert sich was in dem"schrecklichen Jahr" über "unsere" Heimat kam. Daß sie nach Polen kamen, erwähnt er nur kurz.

Es gab eine "Nachumsiedlung" die ging aber ins "Reich", weil diese Personen als politisch unzuverlässig galten, da sie ja mit den Russen nun Kontakt gehabt hatten.

Die Division Brandenburg war die, in die er einberufenn wurde. Dort gab es viele Balten er sagt, es sei wie ein "Freischlag" gewesen von der Bedrückung der Ansiedlung in fremdem Eigentum.

Foto Schwarzhäupterhaus Nach dem Vortrag gleich mit Herrn Strauß Essen. Dazu stoßen wieder Frau Anton samt Ehemann und Tochter. Herr Strauß ist nach meinem Eindruck jüdischer Herkunft. Ich erzähle ihm umgehend von meiner Bekanntschaft zu Sascha Schneider. Er erzählt nachher, daß sein Bruder eine Jüdin heiratete, die in der Synagoge dann gleich danach verbrannt wurde sozusagen. Soll ich das nun so verstehen, daß er eben auch jüdisch war? Denn warum sollte sein Bruder sonst ein Jüdin heiraten?? Er gibt sich auch ausgesprochen jüdisch, erzählt von seinen Schiebereien abends noch. Und wie das alles nach dem Krieg war, als er sich in Deutschland durchschlagen mußte. Er erzählt von seinen beiden Frauen. Und wie seine jetzige sein Geld ausgibt. Aber sie möge das eben... Ich habe seine Visitenkarte. Frau Marsch Potocka habe ich auch schon gesichtet.

Herr Strauß genießt Riga und ißt besonders gern die Neunaugen vom Frühstücksbuffett. Ich soll lesen Der Tod des Mörders von Riga Es koste genau 38, DM Und ich soll mir die Meissner Kacheln ansehen in einer Bankfiliale am Ende der Elisabeta iela. Schaffe ich dann doch nicht mehr.

In Libau gäbe es ein deutschbaltisches Mittwochstreffen.

Dann finde ich bei Frau Ausma ein Bett in der Sonne, drei schwere Kissen 30 qm Zimmer. Laden im Haus. Schrank voller Bücher. Patricia vermittelt für 6 Lat. Klasse! Fühle mich wohl, lasse Reise Revue passieren. Seminare sind auch so ein Rausch. Verzweifelt war ich immerhin nie. Nur einmal hatte ich ja geweint vor Heiligelinde auf dem beschwerlichen Wege nach Reszel. Der Zustand der Verzweiflung funktioniert nicht auf so einer Reise. Meine Gedanken waren besonders von ganz bestimmten Dingen nicht beherrscht: Keine Familie: Kein TV Keine Zeitung. Kopf und Herz frei gemacht Körper spüren den ganzen Tag 1 x habe ich gesungen und zwar in Marjampole. Zustand war schlecht an dem Morgen, dann aber etwas besser, am Mittag traf ich die glückliche Entscheidung für die Bahn.

Welche Reaktionen hatte ich nun: Der Mann aus Heide äußerte umgehend, daß er Fünfkämpfer gewesen sei.Der Zementprüfer, daß er mal die 360 km zur Ostsee in einem Tag geradelt sei. Strauß betont, daß er auch schon viel körperlich gearbeitet habe, Fliesenlegen zum Beispiel.

Marsch Potocka sagt, daß sie eben immer weg gewesen sei und sie wirkt etwas luschig

Abends

Ball der Domus Rigensis Tage mit Buffett, das schnell leer gegessen ist und Radieschenund Gurken sehr lettisch stilecht für die zu späten übrig läßt. Es wird Reigen getanzt, es wirkt eigentlich auch nicht alberner als auf einem Seminar mit gruppendynamischer Methode. Aber hier ist wenigstens klar , worum es geht, ums Amüsieren und Spaß haben. Eine kleine Weile tanze ich mit, aber die Kenntnisse der Schrittfolgen sind so mäßig, daß wir dauernd improvisieren und die vertrauensbildenden Maßnahmen in Verlegenheitsbewegungen abgleiten. Ausgelassenheit und reine Improvisation ist eigentlich nicht angesagt. Es sind schließlich ältere Damen dabei und der jeweils andere ist schließlich Ausländer, den man nicht brüskieren will. Dann suche ich wieder Renate, die mir meine Biere ausgibt, weil ich noch kein Geld getauscht hatte in der irrigen Annahme, daß in den 50, - Eintritt Getränke inbegriffen seien.

weiterlesen?