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24. Tag Mittwoch 14. Juli

Sabile nach Tukums

Mittwoch Sturmtour

Sabile vormittags Pedvale nach Tuckum abends bewölkter Himmel Architektin vom Durbe Schloß gesprochen

morgens Besuch in Pedvale noch einmal, aber der Rasen wurde im Eingangsbereich gemäht, so daß an ein Gespräch mit dem amerikanischen Künstler, wenn er denn dagewesen wäre, sowie so unangenehm geworden wäre.

Auf der Fahrt nehme ich mir zum wiederholten Male vor, die Anstrengungen des Fahradfahrens in Zukunft zu meiden. Ich versuche vor fünf Uhr in Tukums zu sein um die Else von den Brincken Ausstellung zu sehen. in dem Touristeninformationszentrum kannte man sofort Inta Dislere und telefoniert für mich, auch die Dame, die die Ausstellung bewacht, muß nun meinetwegen eine Stunde länger arbeiten. Es waren dann aber nachher noch andere Besucher da. Die Ausstellung filme ich ab. Sehr schön ist die Ankunft bei Regina, der Wirtin meines Hotels, die schon im Radreiseführer als deutschsprechend angepriesen wird. Sie nimmt mich gleich mit zum Aussichtspunkt ihres Hauses, um die Wäsche abzuholen und stolz zu sein auf ihre Stadt. Bei der Anfahrt begegnet mir wieder ein kleiner Hund, der beängstigend bellt, so daß ich zuerst ratlos beschließe ein anderes Hotel zu suchen. Ich weiß dann immer keinen Ausweg. In Riga ist mir das auf dem Rad in einer Parallelstraße zur Bruninieku straße passiert. Zwei höchstens fünfjährige Jungens waren mit einem kleinen Kläffer zugange und als er mich im Visier hatte, wußte ich gar nicht, in welcher Art ich aus dieser peinlichen Situation herauskommen sollte. Ich bin einfach erstmal stehen geblieben, und hab mir nicht so viel anmerken lassen. Dann bin ich langsam weitergegangen, bis ich aus dem Gefahrenrevier schien. Noch einmal war es unmöglich! Ich war schon ganz abgekämpft in der Hitze am ersten Tag in Litauen. Die Anhöhen sind dort großzügiger. Die Abfahrten auch. so daß ich schon nicht freie Fahrt fuhr, sondern etwas bremste. Als aber von den von der Straße zurückgesetzten Gehöften einmal ein Hundchen kam und neben mir springend bellte, da bin ich so schnell gefahren wie ich konnte, und ich konnte in meiner grenzenlosen Angst noch ziemlich schnell fahren, ansonsten habe ich mich während der ganzen Reise nie in irgendwelchen Spurts verausgabt.

25. Tag Donnerstag 15. Juli

Tuckums

Auszug aus dem Prospekt Gebiet von Dobele

--In tervete werden den Touristen Spazierritte angeboten. Im Winter gibt es hier für Skiläufer mehrere Trassen von verschiedener Länge.

--Den Touristengruppen stehen die Dienstleistungen der Fremdenführer zur Verfügung

--Während des zweiten Weltkrieges fanden in dieser Umgebung scharfe Schlachten statt.

-- In Kevle gibt es einen Park, wo ein Kastanienbaum mit einem Umfang von 3,9 m wächst.

-- Aber die letzten elf Sommer ihres Lebens verbrachte sie auf dem Gehöft Spridisi

--Im Jahre 1927 gewann die Kirche eine neue Glocke, die die Inschrift "Wecke, sporne an und tröste " trägt.

eben gab ich eine Essensbestellung in Reginas Hotel auf: Was gibt es zu Essen? anwort: Kartoffeln naja Fleisch vielleicht Huhn und Salat So.. es kommen viele Kartoffeln, echtes paniertes Huhn und - unlettisch - ganz klein geschnittener grüner Salat Möhren Gurke ohne saure Sahne

Lese dabei "Gebiet von Dobele". Irgendjemand hat diesen Text verfaßt, der von früher deutsch spricht und schreibt. Sehr schöne Wendungen Hier präsentiert ein Lette , frei von Redakteuren, seine Region im Stil vielleicht des Stolzes wie vor dem Krieg. Sich nicht dem aktuellen Tourismus anbietend, weil er den offentlichtlich nicht kennt. Sogar ein Motto setzt er anfangs: Nur der, der sein Vaterland kennt, kann es wahrhaft lieben.

"Gebiet" ist auch eine direkte Anlehnung an "Oblast" russisch: GebietFragen für Dischlere

Lettische Übersetzungen von von den Brincken und in welchem Verlag?

Kennt sie: Milosz, Taube, Vegesack, von der Ropp, Gräfin von Koskull, Agnes Miegel August Scholtis Karl Emil Franzos Döblin: Reise in Polen /Aizpuriete Nesaule Frau in Bernstein, Jan Kross Kayserlinck soll gut sein Nielsen Stokkeby?

womit sie sich beschäftigt?

wem gehört Pedvale heute?

was ist Sabile für ein Ort?

welche Touristenführer gibt es eigentlich für Letten?

Hier die Antworten:

Valdis Bisenieks übersetzte die Gedichte für die Ausstellungdeutscher Botschafter auch "Nächte " Buch literarischBergengruen

- sie war den ersten Tag bei den Domus Rigensis Tagen

Über die Ausstellung gab es Rezensionen in der Lokalpresse und im Radio und den BaltischenBriefen. Stefan Kruschke war zur Eröffnung da. Er ist der deutschen Botschafter in Lettland. Es gibt einen deutschen Heldenfriedhof in Tukums

Wir kommen an den Silos vorbei, die ich gestern an der Straße Richtung Tukums gesehen hatte. Es sind Kornsilos, die einer finnischen Firma gehören.

Im August kommen von Hamburg Othmarschen, der Christus Kirchengemeinde, Jugendhelfer die wohl wieder lettische Jugendliche betreuen.

(Foto einer süßen Katze im Fenster in Tukums an dem folgenden Regentag.)Wir fahren zuerst zu einem Schloß.Sie beginnt einen gewissen Text herunterzubeten, wie es mir scheint. Es gibt keine normale Kommunikation zwischen uns. Sie versucht einen Eindruck zu erwecken, der mir aber nicht recht ist. Ich sage ihr, daß mich das alles überhaupt nicht interessiert und wir fahren zum Schloß Jaunmokals. Ihr Mann fährt uns, da sie offensichtlich keinen Führerschein hat. Sicherlich ist das Auto auch eine Neuerwerbung. Im Schloß erhalten wir eine Führung. Zuerst betrachten wir einen hohen Kachelofen, der zum 700 jährigen Jubiläum Rigas angefertigt wurde. Es gab eine riesige Ausstellung in Riga mit Pavillonsarchitektur, diese sind auf den Kacheln teilweise festgehalten. Auch die Denkmäler Rigas. Alle sind in deutscher Sprache auf den Kacheln beschriftet. zweimal ist auch Venedig abgebildet.

Bis 1974 war das Schloß Kolchose, dann Forstmuseum, Glückwunschkartenausstellung gibt es gerade. Georg Armistad ist der Erbauer dieses Schlosses. Er was Bürgermeister von Riga. Diese Informationen kann ich auch dem Reiseführer von Dabolins entnehmen.Vom Turm aus sehen wir eine Filmcrew am See. Es regnet aber. Das Schloß ist auch ein Hotel. Einzelzimmr kostet ca 25 lats

Dislere erwähnt noch, daß Exilletten das lettisch von 1944 sprächen.

Dann fahren wir zur dicksten Eiche Osteuropas. Ich entschuldige mich, da ich keinen Film habe momentan für die Photokamera.Dislere hat eine landwirtschaftliche Ausbildung. Jetzt sind sie ja auch Bauern im Nebenerwerb. Sie erinnert sich an den pomologischen Garten mit 200 Apfelsorten. Von März bis November 1965 hatte sie diese Ausbildung; braune Kühe seien die traditionell lettischen, sagt sie. Und sie nennt den exorbitant niedrigen MilchpreisDann geht es zum Erbbegräbnis Lambsdorff. Zu dem Hamburger Zweig der Familie haben sie Kontakt. Sie restaurierte mit ihren Schülern diese Grabstelle. Jetzt wird sie als Leichenhalle benutzt. Der Zaun war zuerst Pfuscharbeit. Sie scheint auch Geld bekommen zu haben für diese Arbeiten von der Familie Lambsdorff. Am 28 mai 1995 war die feierliche Wiedereinweihung. Lambsdorff war ja erster deutscher Botschafter in Lettland. Aber auch der Wirtschaftsminister erschien, ebenso wie der Erzbischof von Riga. Ich bin irgendwie nicht beeindruckt.

Tatsächlich: Inta Dislere im alten Schulhaus, wo sie 27 Jahre lang arbeitete machte sie eine Ausstellung zur Reginalgeschichte, auch Schulgeschichte; parallel dazu zur Gütergeschichte der Gegend. Sie führt ein Gästebuch, das ich aber nicht weiter lese, und eine Kasse in die ich 2 Lat einwerfe. Ihr Mann chauffierte uns. Ihre eine magere Kuh und 2 Schweine sowie Hühner und Kaninchen schützt sie mit zwei Wachhunden. Kinder sind auf Arbeit in Hamburg. Sie nimmt acht deutsche Helfer und 33 lettische Kinder für ein Ferienlager auf. Seit 1991 restaurierte sie mit dem einen Teil ihrer Schüler , während die anderen Kartoffeln ausmachten, wie auch bei uns früher die Herbstferien Kartoffelferien hießen. "Für die Barone" arbeite sie, wurde sie kritisiert, erzählt sie. Sie aber fühlt sich im Vorteil, denn sie bekommt ja auch Geld und bis heute einträgliche Kontakte zur Familie Lambsdorff nach Hamburg. Sie und ihre Kinder fertigten aus dem alten roten Samtvorhang des Schultheaters und einem Bindfadennetz einen Stammbaum der Familie Lambsdorff mit drei unterschiedlichen Wappenformen : Wappen Kreis und Herz, vom Sohn ausgesägt und von der Tochter handbeschriftet. Der Schulgarten ist ihr Privatgarten jetzt. Die ganze Anlage wird sie noch mit Zertifikaten kaufen Für 1 Liter Milch bekommt sie bei 2,5% Fettgehalt nur 2 Centimes. ?

Am heutigen Abend erscheine noch reichlich eine Autoladung aus Moskau, schon das zweite Jahr. Das sind ehemalige Letten.

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